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Samstag 25 Juni 2011

Störfall Stavenhagen - Ein leicht verkrüzter Leserbrief

Zum Störfall in der Stavenhagener Müllverbrennungsanlage schrieb ich einen online-Leserbrief an die "Ostsee-Zeitung", der auch veröffentlicht wurde, wenngleich leicht gekürzt.

Nun behalten sich viele Zeitungen das Recht vor, Leserbriefe gegebenenfalls gar nicht zu publizieren bzw. "Sinn wahrende Kürzungen" vorzunehmen. Letzteres geschah meinem Beitrag. Ob die Kürzung "Sinn wahrend" ist oder eine nicht unwichtige Aussage entfernt wurde, können die Leser selbst entscheiden. Hier ist der vollständige Leserbrief, die weggekürzten Textstellen sind rot dargestellt:

Schwerwiegender Störfall in Stavenhagen

In der Stavenhägener Müllverbrennungsanlage gab es am 15.6. einen Störfall, bei dem eine Aschewolke aus dem Schornstein entwich. Dazu gibt es merkwürdige, um nicht zu sagen verstörende Informationen:

Die Regionalzeitungen berichten erst am 22./23.6. wie folgt: Der Betreiber ruft die „Anwohner dazu auf, Obst und Gemüse aus Gärten vor dem Verzehr gründlich zu waschen. Mit dem Aschestaub seien auch Schwermetalle wie Blei und Cadmium in die Umwelt gelangt.

Nach ersten Untersuchungen sei Wurzelgemüse im Boden nicht belastet, teilte das Unternehmen weiter mit. Die labortechnischen Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen, Bodenproben noch geplant. Umweltexperten raten, vorsichtshalber den Gartenboden im nahen Umkreis der Müllverbrennungsanlage spatentief umzugraben.

Eine Anwohnerin, die in rund 300 Metern im Garten arbeitete, verglich die Aschewolke mit einem Vulkanausbruch... Von dem mit Schwermetallen belasteten Staub habe sie auch einiges einatmen und wie andere Anlieger in dem Umkreis auch die ganze Nacht husten müssen. Trotz der großen Beunruhigung der Bürger sahen sich Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) erst am Freitag in Stavenhagen um. Das Demminer Gesundheitsamt gab erst am Montag Leitlinien heraus, wie die Betroffenen mit ihrem Obst und Gemüse umgehen sollen.

'Wir haben keinen Hinweis darauf, dass sofort gesundheitshygienische Sondermaßnahmen erforderlich wären', sagte der Landrat des Kreise Demmin, Siegfried Konieczny (Linke) auf Nachfrage“.

Die Höfe wurden per Kärcher von der Asche befreit und auch verschmutzte Fenster von der teilweise klebrigen Schicht „befreit“.

Das alles kann so nicht ohne Kommentare unsererseits stehen bleiben:

  1. Es ist richtig, dass die Aschen auch „Schwermetalle wie Blei und Cadmium“ enthalten. AUCH, denn die Liste der hochgiftigen Schadstoffe ist viel länger. Warum wird sie nicht vollständig genannt?
  2. Die betroffenen Gebäude wurden mit Hochdruckreiniger von der „teilweise klebrigen Schicht“ befreit, aber beim verschmutzten Gemüse soll gründliches Waschen ausreichen?
  3. Wurzelgemüse im Boden sei nicht belastet – wie denn auch? Der Stoffwechsel von Pflanzen verläuft nun einmal recht langsam, in den ersten Tagen der Aschebelastungen ist mit Sicherheit INNERHALB der Pflanzen nichts zu finden.
  4. „Umweltexperten raten, vorsichtshalber den Gartenboden im nahen Umkreis der Müllverbrennungsanlage spatentief umzugraben“. Diese namentlich nicht genannten „Umweltexperten“ sollten ob ihrer gesundheits- und umweltgefährdenden Empfehlung vor Gericht gestellt werden. Das einzig Richtige besteht darin, die Asche mitsamt dem darunter liegenden Boden abzukratzen und als Sondermüll zu entsorgen. Wer hingegen die schadstoffbeladene Asche in den Boden einarbeitet, verseucht sein Garten- oder Ackerland für alle Zeit. Schwermetalle haben keine Halbwertszeit, sie bleiben für immer und ewig giftig!
  5. Unverantwortlich halte ich auch das späte Reagieren der Fachbehörden (Störfall am Mittwoch, erste Reaktion des STALU am Freitag und des Kreisgesundheitsamtes am darauf folgenden Montag) sowie die mehr als beschönigende Aussage des Landrates, „wir haben keinen Hinweis darauf, dass sofort gesundheitshygienische Sondermaßnahmen erforderlich wären". Ein Landrat muss nicht alles wissen, aber er muss wissen, wie und von wem er Sachkunde erhalten kann.
  6. Der Störfall ereignete sich am Mittwoch, den 16.6. abends gegen 19.30 Uhr. Die Zeitungen berichten ERST EINE WOCHE SPÄTER darüber. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Dr. Günter Hering, Rostocker Initiative für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V.

Dabei hatte ich mir weitergehende Presseschelte schon verkniffen. Die Ostseezeitung beispielsweise veröffentlichte ihren Beitrag nicht online, sondern nur in der Printversion und im bezahlpflichtigen E-Paper. Die kostenlose online-Ausgabe enthielt keinerlei Hinweis! Informationen über gesundheitsgefährdene Ereignisse sollten jedoch für jeden frei zugänglich sein. Die Schweriner Volkszeitung und der Nordkurier veröffentlichten dank ihrer gemeinsamen "Mantel"-Redaktion einen absolut identischen Text. - Informationsarmut im platten Land und die Bürger zahlen drauf, mit ihrer Gesundheit und den fehlenden Möglichkeiten, sich zu wehren.

Posted by Dr. Hering, Günter at 11:57
Edited on: Samstag 25 Juni 2011 12:55
Categories: Gesundheit, Luftbelastung, Müllverbrennung, Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbelastungen

Donnerstag 23 Juni 2011

Havarie in der Müllverbrennungsanlage Stavenhagen

Liebe Mitglieder, Einwender, Mitstreiter, Freunde und Sympathisanten,

eine heutige SVZ-Meldung hat es in sich: Erhebliche Belastungen von Bevölkerung und Böden in Stavenhagen durch die dortige MVA. Bitte UNBEDINGT LESEN UND LESERBRIEFEN!!!

http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/article//wie-beim-vulkanausbruch.html

Mit freundlichen Grüßen

Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V., Dr. Günter Hering, Vorstandsmitglied

Posted by Dr. Hering, Günter at 11:45
Edited on: Donnerstag 23 Juni 2011 18:22
Categories: Feinstaub, Müllverbrennung, Umweltbelastungen

Mittwoch 22 Juni 2011

Recyceln statt Verbrennen - in der Schweiz ist das unumstritten!

Liebe Mitglieder, Einwender, Mitstreiter, Freunde und Sympathisanten, sehr geehrte Damen und Herren Journalisten,

auch aus der Schweiz kommt die klare Aussage, Verbrennen war gestern, heute ist Recycling nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich und politisch unverzichtbar:

http://www.umweltruf.de/news/111/news3.php3?nummer=3397

Nur unser Landes-Wirtschaftminister weiß es noch nicht (u.a. Statement auf dem Dialog Abfallwirtschaft in Rostock):

http://www.mvpo.com/index.php?id=95&tx_ttnews[tt_news]=3159&cHash=651d0878eb2312c4b701ce3409d03561

Mit freundlichen Grüßen

Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V., Dr. Günter Hering, Vorstandsmitglied

Posted by Dr. Hering, Günter at 19:42
Edited on: Donnerstag 23 Juni 2011 18:21
Categories: Müllverbrennung, Recycling, Rohstoffe

Mittwoch 08 Juni 2011

Eine große Vision: Rohstoffe 100 % im Kreislauf führen

Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung: Eine große Vision: Rohstoffe 100 % im Kreislauf führen

Wie Deutschland zum Rohstoffland wird

Der Umgang mit endlichen Ressourcen ist ein zentrales Thema der Nachhaltigkeit. Aber obwohl die Idee der Nachhaltigkeit mittlerweile breite Zustimmung findet, ist der Umgang mit wichtigen Ressourcen immer noch vom Wegwerfen und „Weg-Verbrauchen“ geprägt, heißt es in der Präambel der Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 19. Mai 2011 „Wie Deutschland zum Rohstoffland wird“.

Besonders deutlich würde dies beim Umgang mit wichtigen Rohstoffen, zu deren Sicherung sogar geopolitische und außenwirtschaftliche Überlegungen angestellt werden, aber noch kein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement mit geschlossenen Kreisläufen auf den Weg gebracht ist. Das darf und kann so nicht bleiben. Unter Federführung der Ratsmitglieder Dr. Eric Schweitzer und Olaf Tschimpke hat der Nachhaltigkeitsrat die vorliegende Empfehlung an die Bundesregierung erarbeitet.

Dr. Eric Schweitzer, Vorstandsmitglied ALBA Group, Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer: “Die Wirtschaft muss beim Thema Nachhaltigkeit vorangehen – technische Innovationen und gesellschaftliche Verantwortung sind gleichberechtigte Schlüssel für unternehmerischen Erfolg."

Die Empfehlung greift dabei bewusst einen Baustein nachhaltiger Ressourcenpolitik heraus: die Kreislaufführung von metallischen und mineralischen Rohstoffen. Andere wesentliche Bestandteile nachhaltiger Ressourcennutzung wie beispielsweise Ressourceneffizienz durch Materialsubstitution werden nur flankiert. Ressourceneffizienz ist viel umfassender, als Material in der Produktion einzusparen. Die Empfehlung beabsichtigt nicht, die Bedeutung dieser Elemente zu unterminieren. Auch ist die Beschränkung der Ressourcenauswahl auf insbesondere Industriemetalle und -mineralien nicht mit der geringeren Bedeutung anderer Ressourcen oder Stoffströme wie Wasser, Phosphor oder agrarische Rohstoffe gleichzusetzen. Vielmehr soll die Fokussierung auf insbesondere Basis- und Sondermetalle eine nachhaltige Rohstoffwirtschaft beispielhaft illustrieren. Schließlich ist die Empfehlung an die nationale Politik gerichtet. Obwohl sie die globale Dimension des Themas streift, ist dies nicht Hauptbestandteil der Empfehlung. Der Nachhaltigkeitsrat weist jedoch ausdrücklich auf die Bedeutung von Fragen des Handels, der Transparenz und der Menschenrechte im Rahmen auch nationaler und internationaler Rohstoffpolitik hin.

Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbund Deutschland (NABU): "Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist die einzige Option für verantwortliches globales Handeln, die unsere Ökosysteme schützt und damit das Überleben künftiger Generationen sichert."

Kurzfassung: Der absolute Rohstoffverbrauch in Industrieländern ist angesichts der Tragfähigkeit der Erde zu hoch. Die Knappheit von Rohstoffen stellt eine Grenze für das Wirtschaften und den Konsum dar. Knappheit ist dabei nicht nur durch geologische Gegebenheiten oder wirtschaftlich-technische Grenzen von Extraktion oder Wiederverwertung begründet. Vielmehr gibt es regulative Schranken sowie ökologische und soziale Verhaltensgebote, die zur Knappheit eines Rohstoffes führen. Die reine Intensivierung von Explorationstätigkeiten und Zugang zu Primärrohstoffen wird Anforderungen an eine nachhaltige Rohstoffwirtschaft nicht gerecht. Vielmehr muss es zu einer absoluten Reduktion des Verbrauchs nicht erneuerbarer Rohstoffe und der Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Rohstoffverbrauch kommen. Dazu sind signifikante Verbesserungen der Ressourceneffizienz notwendig und da wo sinnfällig eine verstärkte Substitution nicht erneuerbarer Rohstoffe mit erneuerbaren. Kernbestandteil einer nachhaltigen Rohstoffwirtschaft ist die Kreislaufführung nicht erneuerbarer Rohstoffe. Dies ist gleichzeitig der Fokus der Empfehlung. Die Empfehlung skizziert die Vision einer 100%igen Kreislaufführung nicht nur von Massenrohstoffen, für die bereits jetzt Kreislaufwirtschaft existiert. Vielmehr zielt die Empfehlung darauf ab, die relevanten Akteure zu ermutigen, die Vision einer vollständigen Kreislaufführung von Rohstoffen zu konkretisieren, für die es bisher kein Nachhaltigkeitsmanagement gibt. Exemplarisch führt sie hier den Fall von Basis- und Sondermetallen an.

Produktverantwortung ist dabei ein zentrales Prinzip, das konsequent umgesetzt werden muss. Ernst genommen ergeben sich daraus die Forderung nach Wettbewerb bei Einhaltung sozialer und ökologischer Gerechtigkeit und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Implizit entsteht der Anreiz, Produkte schon bei der Herstellung und entlang der gesamten Wertschöpfungskette (sowohl produkt- als auch akteursbezogen) an den Anforderungen einer hochwertigen Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit auszurichten. Auch der Konsument ist angehalten, Kaufentscheidungen stärker an Kriterien der Wiederverwendbarkeit auszurichten und sich auf neue Geschäftsmodelle einzulassen – „Nutzen statt Besitzen“ wird dann zur Maxime einer vollständigen Kreislaufwirtschaft.

BDE unterstützt Rohstoffkonzept des Nachhaltigkeitsrates der Bundesregierung - BDE-Präsident Peter Kurth: „Die vom Nachhaltigkeitsrat entwickelte Vision einer 100-prozentigen Kreislaufwirtschaft, in der wirklich alle Rohstoffe einer Wiederverwendung zugeführt werden, ist der richtige und einzig gangbare Weg, um die Stellung Deutschlands als international erfolgreiche Industrie- und Exportnation langfristig zu sichern.“

"Besonderen Wert hätten die Empfehlungen des Nachhaltigkeitsrats vor allem deshalb, so Kurth, weil sich das Konzept der geschlossenen Kreislaufwirtschaft auch auf Rohstoffe erstrecke, die bislang kaum oder gar nicht recycelt werden. Dazu zählen unter anderem seltene Erden und Sondermetalle, die derzeit in Kleinstmengen Bestandteil elektrischer Altgeräte sind. Kurth: „Der Nachhaltigkeitsrat nimmt hier Bund und Länder konsequent in die Pflicht: Die Politik ist dafür verantwortlich, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Zeitpunkt der Wirtschaftlichkeit möglichst aller Recyclingtechnologien zeitnah erreicht wird. Zu den wichtigen Rahmenbedingungen gehören aus unserer Sicht eine hohe Investitionssicherheit sowie die Möglichkeit, geschlossene Wertschöpfungsketten unter den Bedingungen eines fairen Wettbewerbs aufzubauen.“

Der BDE fühle sich in dieser Position durch den Nachhaltigkeitsrat bestätigt, so Kurth, da das Expertengremium die Schaffung eben dieser Rahmenbedingungen explizit empfehle.

Der BDE begrüßt ausdrücklich, dass sich der Nachhaltigkeitsrat für die Produktverantwortung als zentrales Prinzip einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ausspricht. Kurth: „Qualitativ hochwertiges Recycling funktioniert am effektivsten, wenn schon bei der Herstellung von Produkten darauf geachtet wird, dass diese am Ende ihrer primären Nutzung möglichst problemlos in ihre Ausgangsbestandteile zerlegt, aufbereitet und als Sekundärrohstoffe wiederverwertet werden können.“

Der BDE appelliert an die politisch Verantwortlichen, die Empfehlungen des Nachhaltigkeitsrates umzusetzen und so die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft in Deutschland zu einem tragenden Pfeiler der „green economy“ zu entwickeln. Kurth: „Diese Entwicklung ist alternativlos. Sie wird jedoch nur unter den Bedingungen von freiem Markt und fairem Wettbewerb funktionieren. Monopolstrukturen, wie sie beispielsweise für die Wertstoffsammlung von kommunaler Seite eingefordert werden, haben hier keinen Platz.

Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung vom 19. Mai 2011:

Eine große Vision: Rohstoffe 100 % im Kreislauf führen

Quelle: 2011-06-06 im europaticker

Posted by Dr. Hering, Günter at 18:49
Edited on: Donnerstag 23 Juni 2011 18:21
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